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Übersetzung des Leitartikels von Bert Moore: „RFID in Healthcare: Risk or Benefit?" aus dem AIM Global Newsletter „RFID Connections" vom 2. Juli 2008
www.AIMglobal.org

Am 25. Juni 2008 wurde die Studie „Elektromagnetische Interferenzen durch Radiofrequenz-Identifikation führen potentiell zu gefährlichen Störungen bei medizinischen Geräten" im „Journal of the American Medical Association" (JAMA)1 veröffentlicht. Darin wird festgestellt, dass RFID Reader unter bestimmten Umständen mit medizinischen Geräten interferieren, die für kritische medizinische Anwendungen eingesetzt werden. Das hat zu Bedenken gegen den Einsatz von RFID im Krankenhaus geführt2.

Medizinische Experten, die nicht an der Studie beteiligt waren, haben dagegen hervorgehoben, dass bisher keinerlei Zwischenfälle über Gesundheitsanwendungen mit RFID bekannt geworden sind. Gleichwohl begrüßt die AIM Community die Durchführung von RFID-Tests für die Ermittlung potentieller Auswirkungen von RFID auf medizinische Implantate und andere Geräte, um sicherzustellen, dass RFID im Krankenhausumfeld sicher verwendet werden kann.

Hintergrund

Die Studie wurde vom Academic Medical Care Centre, VU University of Amsterdam, the Netherlands, durchgeführt. Der Test umfasste passive Systeme mit 868 MHz (UHF Gen 2) und aktive System mit 125 KHz. Andere RFID-Typen, die auch in Krankenhäusern verwendet werden, waren nicht enthalten, z.B. HF (13,56 MHz) und WiFi-basierte Realtime-Location-Systeme (RTLS).

Die Autoren verweisen in der Studie auf eine Reihe von Vorbehalten: Während der Tests wurde nur ein begrenzte Zahl von RFID- und medizinischen Geräten untersucht, die Reader wurden mit maximaler elektrischer Leistung betrieben und das Test-Design repräsentierte die ungünstigsten Bedingungen (Worst Case Scenario).

Die Studie zeigt, dass RFID Tags mit 868 MHz die größte Zahl der Zwischenfälle verursachten: 34 von 41 Tests, von denen 22 als gefährlich eingestuft wurden. Im Vergleich dazu das LF-System: 8 von 41 Tests, davon 5 gefährlich. Testdetails sind online verfügbar3.

Diese Ergebnisse widersprechen der Studie des letzten Jahres über die Effekte von RFID auf medizinische Implantate und Defibrillatoren4, die von der U.S Food and Drug Administration (FDA) erstellt wurde. Darin wird ausgesagt, dass passive RFID Tags mit hohen (HF) und sehr hohen Frequenzen (UHF) nur geringe Auswirkungen im Vergleich zu niederen Frequenzen (LF) haben.

Die Amsterdamer Studie verwendet bei nahezu allen Testfällen eine Entfernung von 45 cm (18 inches) zwischen RFID Reader und Tag. Nur zwei Testfälle bei größerer Distanz (einer bei jedem System) wurden als signifikant erachtet.

Analyse

Die unterschiedliche Anzahl beobachteter Vorfälle, die von RFID Readern und den aktiven RFID Tags verursacht wurden, kann teilweise durch die unterschiedliche elektrische Spannung erklärt werden, die angelegt wurde. Während die FDA-Studie, die mehr Effekte mit passiven LF Tags ergab, nur passive Tags einsetzte, benutzte die Amsterdamer Studie passive (UHF) und aktive (LF, UHF) Tags. Der Reader der aktiven Systeme sendete auf 125 KHz und der aktive Tag antwortete auf 868 MHz bei einer Übertragungsleistung von 2 Mikrowatt UHF. Die passiven UHF Gen2 Reader arbeiteten mit einer Signalstärke von 2 Watt.

Die Autoren heben hervor, dass die Versuchsanordnung auf höchstmöglichem Spannungsniveau betrieben wurde, um Worst-Case-Szenarios zu testen. Natürlich ist das zulässig, aber es repräsentiert nicht unbedingt das reale Umfeld im Gesundheitswesen.

Appell

Alle RFID-Systeme arbeiten mit Frequenzen, die von Regulierungsbehörden in den verschiedenen Ländern zugelassen sind. Die Zulassungen beziehen sich auf RFID und viele andere Anwendungsbereiche mit Beschränkungen bei der Spannungshöhe und der Bandbreite. Alle RFID-System entsprechen den Zulassungsbedingungen sowie anderen Bestimmungen für elektromagnetische Interferenzen (EMI). So entspricht die gegenwärtige RFID-Technik den elektromagnetischen Standards der US Federal Communications Commission (FCC) und des European Telecommunications Standards Institute (ETSI).

Die Hersteller medizinischer Geräte erfahren über diese Standards mögliche Interferenzen mit RFID-Geräten und anderen Radiofrequenz-Quellen. Es ist jedoch möglich, dass manche medizinische Geräte vor der Verabschiedung dieser Standards entwickelt wurden und noch für einige Zeit eingesetzt werden. Deswegen muss bei der Entwicklung und Implementierung von RFID-Systemen und anderen elektromagnetischen Geräten dem möglichen Betrieb in der Nähe elektronischer medizinischer Geräte Beachtung gezollt werden.

System-Integratoren müssen besonders bei der Anordnung von RFID Readern auf die mögliche Interferenz mit anderen Systemen achten. Das Verständnis für mögliche Interferenzen mit den verschiedenartigen medizinischen Geräten sollte System-Designern, Herstellern und RFID-Lieferanten helfen, Richtlinien für den störungsfreien Einsatz („Best Practice Guidelines") im Umfeld medizinischer Geräte zu erstellen.

Zukünftige Aktionen

Neuere Erkenntnisse haben dazu geführt, dass die FDA einige Einschränkungen bei ihren ursprünglichen Tests erkannt hat. Sie führt gegenwärtig neue Tests mit erweitertem Gerätespektrum und umfassenderen Spezifikationen durch. Die FDA wird dabei von AIM-Mitgliedsunternehmen unterstützt.

AIM Global appelliert an die Hersteller medizinischer Geräte zu prüfen, welche intensiveren Testverfahren durchgeführt werden sollten, um die potentiellen Risiken in praxisgerechten Einsatzumgebungen zu ermitteln und um Best-Practice-Regeln für die Nutzung aller RFID-Typen im Gesundheitsbereich zu formulieren.

 

Referenzen:

1 "Electromagnetic Interference From Radio Frequency Identification Inducing Potentially Hazardous Incidents in Critical Care Medical Equipment", JAMA, June 25, 2008-Vol 299, No. 24, pp 2884-2890.

2 "Taming the Technology Beast", JAMA, June 25, 2008-Vol 299, No. 24, pp 2898-2899.

3 "Effects Of Electromagnetic Interference From Radio Frequency IDentification On Critical Care Equipment" (test details) http://www.amc.nl/index.cfm?pid=5266

4 "Electromagnetic compatibility of pacemakers and implantable cardiac defibrillators exposed to RFID readers" http://www.inderscience.com/link.php?id=15848 [subscription]